29.09.2006
Frauen im Technischen Hilfswerk THW - Erfolgreicher Sturm auf eine ehemalige „Männerbastion“

Montagabend, 19.00 Uhr: das Technische Hilfswerk (THW) Friedrichshain-Kreuzberg startet sein wöchentliches Zusammentreffen. Der hohe Frauenanteil bei den Katastrophenschutz-Spezialisten fällt sofort ins Auge: Zwölf Frauen in einem Ortsverband, das kann sich bei einer Gesamtstärke von 80 ehrenamtlichen Mitgliedern sehen lassen. Außerdem ist es noch gar nicht so lange her, da musste man die Frauen im THW mit der berühmten „Lupe“ suchen. Nun hat erfolgreich der Ansturm auf die ehemalige „Männerbastion“ begonnen, gehen immer mehr Frauen zusammen mit ihren männlichen Kollegen bei Hochwasser und Sturm in den Einsatz.

„Ich mach hier mit, weil das für mich der ideale Ausgleich zu meinem Schreibtischjob ist“, berichtet Rita Langhorst über ihr ehrenamtliches Engagement im Katastrophenschutz. Die 43jährige ist seit zehn Jahren im THW aktiv. Langhorst ist Sachbearbeiterin in einer Hausverwaltung. Im Hilfswerk hat sie den Umgang mit Notstromaggregat und Pumpen gelernt. Mehr noch: Als Kraftfahrerin einer Bergungsgruppe steuert sie einen Gerätekraftwagen. Sie bringt ihr Team dorthin, wo Menschen Hilfe brauchen, Flüsse über die Ufer treten oder umgestürzte Bäume nach einem Sturm beseitigt werden müssen. „Ich war beim Hochwasser an Oder und Elbe im Einsatz“, berichtet sie. Anfang Juli 2006 war sie im Berliner Bezirk Charlottenburg aktiv, pumpte dort überschwemmte Keller nach einem schweren Unwetter leer. Auch nach einer Gasexplosion in Berlin-Steglitz hat sie Hilfe geleistet. Bei dem Unglück in der Lepsiusstraße starben 1998 sieben Menschen in den Trümmern ihres völlig zerstörten Wohnhauses. Feuerwehr, Polizei und THW hatten tagelang in den etwa 2000 Tonnen Schutt nach Überlebenden gesucht. „Das kostet Kraft, schweißt ein Einsatzteam aber auch zusammen, der eine hilft dem anderen“, berichtet sie. Über das Engagement der aktiven THW-Helferin berichtet in seiner Oktober-Ausgabe auch die Bahn-Kundenzeitschrift „Mobil“ (siehe PDF-Datei).

Die 26jährige Alina Schellig hat im THW-Ortsverband ihren Platz in der „Fachgruppe Wassergefahren“ gefunden. Die Gruppe ist mit Booten und einem Spezialkranwagen ausgerüstet. Aufgabe: Menschen und Tiere retten, Sachwerte bei Überschwemmung und Hochwasser in Sicherheit bringen. Alle zwei Monate ist die Geographiestudentin freiwillig bei der so genannten „Feuerwehrbereitschaft“ dabei: An einem Samstag unterstützt ihr THW-Ortsverband dann die Berliner Feuerwehr, hilft zum Beispiel bei der Beseitigung von Ölspuren, Wasser-Rohrbrüchen und umgestürzten Bäumen.

Einsätze stehen für die zwölfjährige Michelle Pankotsch noch nicht auf dem Programm. Michelle engagiert sich in der THW-Jugendgruppe. „Spielend helfen lernen“, lautet das Motto der Nachwuchsorganisation. „Das ist was für Mädchen und Jungs“, sagt sie selbstbewusst. „Wir waren gerade im Zeltlager und auch mit unseren Booten unterwegs“, beschreibt sie das attraktive Angebot der THW-Jugend. Michael Hößler ist als ehrenamtlicher Ortsbeauftragter Chef des Ortsverbandes. Seine Einladung: „Unsere Türen stehen offen. Wir freuen uns, wenn noch mehr Frauen bei uns mitmachen.“

Artikel Mobil Rita Langhorst 10 2006.pdf

Text:
Fotos: Peter Lohmann. BÖH OV Friedrichshain-Kreuzberg

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Erstellt am Fr 29 Sep 2006 14:03:03 CEST.
Veröffentlicht am Sa 30 Sep 2006 09:38:16 CEST.
Letzte Aktualisierung am Mo 09 Okt 2006 22:58:57 CEST.