Gemeinsam mit den polnischen Kameraden wurden vermisste Personen aus den stark verqualmten Bunkertunneln gerettet.
Gemeinsam mit den polnischen Kameraden wurden vermisste Personen aus den stark verqualmten Bunkertunneln gerettet.
24.05.2011
√úbung in Polen

Wie bereits in der Vergangenheit hatten wir in diesem Jahr wieder die Gelegenheit eine Übung mit unseren polnischen Kollegen der Feuerwehr "PSP" durchzuführen. Aus unserem Ortsverband war die Schwere Bergungsgruppe gefordert. Zusammen mit den Kameraden einer Ortungs- und einer Höhenrettungsgruppe aus Hamburg, die bereits am Montag zu unserem Ausbildungsabend anreisten, ging für unsere 7 Helfer die Fahrt nach nur kurzer Nacht am Dienstag früh um 6 Uhr los. In Glogow, einer ehemaligen Festungsstadt in der Wojewodschaft Niederschlesien trafen wir um 11 Uhr am zentralen Sammelpunkt, der Kreisfeuerwache, ein. Nicht weit entfernt auf einem riesigen ehemaligen Zuckerfabrikgelände waren Einheiten der polnischen, tschechischen und deutschen Feuerwehr, verschiedenen Hilfsorganisationen und dem THW aus Berlin und Hamburg eingesetzt. Ohne weitere Verzögerung ging es auch gleich mit dem ersten Übungsszenario los. In einem simuliert-teileingestürzten Haus mussten die Ortungsspezialisten mittels ihrer technischen Ortungsgeräte akustisch und per Videoendoskop den Aufenthaltsort von Verschütteten herausfinden. Mit unserem Kernbohrgerät, was so in seiner Form auch bundesweit einmalig im THW ist, und der im letzten Jahr erweiterten Betonkettensäge schaffte unsere Gruppe der Schweren Bergung notwendige Rettungsöffnungen im Gebäude für den Zugang der Rettungskräfte und Abtransport der Geretteten.

Am Abend des ersten Übungstages gab es dann noch ein Seminar mit technischen Vorträgen über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Gruppierungen. Jeder stellte kurz vor, was speziell er mit seiner Ausrüstung zu leisten im Stande ist. Nachdem jeder seine Aufgaben im Übungsgebiet erfolgreich absolviert hatte, trafen sich alle Einheiten Stück für Stück im aufgebauten Zeltlager. Auch der Aufbau des Zeltlagers und die Unterbringung und Versorgung war der Teil der Übung. Die mit Luft aufgeblasenen Zelte und die Logistik bspw. der Duschcontainer gehören zum Konzept schnell und effektiv bei einer Notfallalarmierung im Katastrophenfall Bereitschaftsräume für verschiedene Einheiten im Gelände aufzubauen, wenn andere Gebäude gerade nicht zur Verfügung stehen. Die kleine Zeltstadt bot alle Annehmlichkeiten, hatte sehr viel Charme und war gemütlich und praktisch. Während des gemeinsamen Kameradschaftsabends konnten wir wieder viele neue Kontakte knüpfen und altbekannten Kollegen begrüßen. Auch wir konnten 2003 eine Einheit der polnischen Feuerwehr bei uns im Ortsverband willkommen heißen. Genau diese Kollegen trafen wir auch zufällig wieder und feiert ein Wiedersehen. Beeindruckt von den ersten Erlebnissen, stolz über das bisher erreichte und erledigt von der Anfahrt und dem ersten Übungstag zogen sich dann alle für eine weitere kurze Nacht ins Zelt auf die Feldliegen zurück.

Am zweiten Tag war die erste Herausforderung in verrauchten Räumen mit Atemschutz zu arbeiten, Wege frei zu räumen und natürlich eingeschlossene Personen aufzuspüren und zu retten. Anschließend  war es unsere Aufgabe mit dem Plasmaschneidgerät, welches mit großer Hitze ähnlich einem Schweißgerät das Material auflöst, Zugänge in ein großes Silo zu schaffen und dabei riesige Stahlteile zu entfernen. Nach Abschluss aller Aufgaben am zweiten Tag war das Übungsszenario dann auch beendet und alle Kräfte machten sich auf den Heimweg. Wir blieben noch eine Nacht, da die Heimfahrt noch am selben Abend zu weit war. Am Mittwoch waren wir dann in einem Gästehaus ganz für uns allein untergebracht. Dort konnten wir mit dem Hamburger THW´lern beim gemeinsamen Lagerfeuer das Erlebte auswerten und Revue passieren lassen.

Wir waren froh dabei gewesen zu sein und freuen uns schon auf das nächste Mal. Mit großer Gastfreundschaft wurden wir aufgenommen und versorgt. Wir konnten viel mit den Kollegen der polnischen Feuerwehr zusammen austauschen und gegenseitig voneinander lernen. Die Polen als unsere Anrainer in der EU sind nicht nur unsere unmittelbaren Nachbarn, sondern auch Partner im grenzüberschreitenden Katastrophenschutz - vor allem bei der Bekämpfung von Hochwasser und deren Folgen. In den letzten Jahren sind wir aber nicht nur durch unzählige Katastrophen enger zusammengewachsen, vielmehr durch gemeinsame Veranstaltungen wie diese ein Team geworden.

Hier wird ein Stahlsilo mittels Plasmaschneidgerät geöffnet. Hinter dieser 50cm dicken Wand wurde eine Person vermutet. Eine Kernbohrung zur Sondierung wird hier durchgeführt. Mit der Betonkettensäge wird die Wand geöffnet, um die verschüttete Person dahinter zu befreien.

Text:
Fotos: Wolfgang Blunck

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Erstellt am Sa 11 Jun 2011 18:39:10 CEST.
Veröffentlicht am Di 14 Jun 2011 12:08:23 CEST.
Letzte Aktualisierung am Di 14 Jun 2011 12:10:25 CEST.